Barock: Eine Epoche voller Widersprüche

Barock: 3 Motive, 16 Merkmale & 3 Vertreter der Epoche

Die Epoche des Barock ist eine Zeit der Widersprüche und Kontraste. Adel, Prunk und Lebensgenuss stehen Armut, Gewalt und Tod gegenüber. Diese Zweischneidigkeit prägte die Literatur, ihre Motive und somit auch die wichtigsten Merkmale, Vertreter und Werke der Epoche.

Barock: Die Prunkvollste aller Epochen?

Der Barock betraf sowohl die Musik als auch die Literatur, vor allem aber die Architektur und die bildende Kunst. Sie gilt als prunkvollste aller Epochen und erstreckt sich über fast zwei Jahrhunderte.

Besonders einprägsam sind die eindrucksvollen Bauten dieser Zeit, die mit detaillierten Malereien, satten Farben, viel Gold und Schnörkeln verziert wurden. Sie gelten als klares Erkennungsmerkmal der Epoche.

Sie hatte allerdings nicht nur schöne Seiten. Die große Mehrheit der Bevölkerung war von Armut geplagt und litt wegen des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) unter Todesängsten.

Die Schattenseiten des Barock zeigen sich vor allem in der Literatur. So zeigt sie vor allem Vergänglichkeitsmotive und gesellschaftliche Probleme (siehe “Der abenteuerliche Simplicissimus Teutsch” von Grimmelshausen).

Der Krieg wurde unter anderem ausgelöst durch Martin Luthers Übersetzung der Bibel aus dem Lateinischen ins Deutsche. Es fand eine religiöse Spaltung statt: Die reformierten Anhänger Luthers und die Katholiken betrachteten sich als Feinde.

Unterschied zwischen “Barock” und “Barockliteratur”

Die Epoche “Barock” umfasst eine lange Zeit, beeinflusste mehrere Länder und wirkte sich auf die verschiedenen Künste aus. Deshalb haben wir sie zunächst allgemein definiert und im Anschluss einen genaueren Bezug zur Literatur des Barock geschaffen.

Was die Epoche des Barock ist

Der oder auch das Barock ist eine europäische Epoche, die einen großen Einfluss auf die Kunstgeschichte hatte. Sie ging allgemein vom Ende des 16. Jahrhunderts bis weit ins 18. Jahrhundert (1760/70) hinein und lässt sich folgendermaßen unterteilen:

  • Frühbarock (bis etwa 1650)
  • Hochbarock (etwa 1650-1700)
  • Spätbarock (etwa 1700-1730)
  • Rokoko (etwa 1730-1760/70)

Die Epoche “Rokoko” gilt dabei häufig als eigene Epoche und wird mit dem Spätbarock zusammengeführt.

Ausgehend von Italien breitete sich der Barock auf viele weitere europäische Länder aus: Frankreich, Spanien, Österreich, England und Deutschland. Sogar Lateinamerika folgte dem spanischen Vorbild und adaptierte den Barock-Stil.

Prägnante Merkmale sind in allen Künsten (Musik, Literatur, Architektur, bildende Kunst) kraftvolle, oft feierliche und überschwängliche Formen.

Was Barockliteratur ist

Seit etwa 1800 spricht man von “Barockliteratur” oder der “Literatur des Barock”. Sie bezeichnet eine Literaturepoche von etwa 1600 bis 1720.

Besondere Merkmale sind der typische “Schwulst”, mythologische und religiöse Allegorien und viele Metaphern. Sie überschneiden sich teilweise mit den Merkmalen der Klassik.

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In der Barockliteratur löste die deutsche Sprache das Lateinische ab. Angelehnt an die Vorbilder der lateinischen Dichtung war das “Buch von der Deutschen Poeterey” (1624) von Martin Opitz, das als erstes Werk Richtlinien der deutschen Dichtung zusammenfasste.

Die Literatur des Barock wurde wegen ihrer mangelnden Natürlichkeit (zum Beispiel durch ihre gekünstelte Überschwänglichkeit) von einigen Kritikern nur wenig geschätzt.

Begriffsbestimmung “Barock”

Im Deutschen kann man sowohl “der Barock” als auch “das Barock” sagen. Der Genitiv kann sowohl mit s “des Barocks” (eher umgangssprachlich) als auch ohne s “des Barock” (eher fachsprachlich) gebildet werden.

Das Adjektiv “barock” gab es im Deutschen noch vor dem Substantiv “Barock”. Der Begriff gelangte über das italienische “barocco” und das französische “baroque” im Sinne von “bizarr” und “merkwürdig” ins Deutsche.

Sein eigentlicher Ursprung findet sich allerdings im Portugiesischen, in dem eine ungleichmäßig geformte Perle als “barroco” bezeichnet wurde. “Barock” bedeutet in diesem Sinne “unregelmäßig” oder “schief”.

Wichtige Motive in der Literatur des Barock

Die Literatur des Barock war geprägt von thematischen Widersprüchen. Diesseits und Jenseits standen sich gegenüber, Spiel und Ernst, Schein und Sein, Lust und Tugend, Erotik und Askese (disziplinierte Selbstkontrolle) sowie “Memento mori” (Bedenke den Tod) und “Carpe diem” (Nutze den Tag).

Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) wurde ausgelöst durch die Spaltung des Christentums (Protestanten gegen Katholiken) und bestimmte das Lebensgefühl der Menschen. Gewalt und Zerstörung prägten das alltägliche Dasein und führten zu einer Dauerpräsenz des Todes in den Köpfen der Menschen.

Die Angst vor dem Tod bestimmte die gesamte Wahrnehmung des Lebens und so kamen drei wichtige lateinische Leitmotive in der Literatur zustande, die auf den Tod ausgerichtet sind: Memento mori, Vanitas und Carpe diem.

Memento mori

Die Bedeutung von “Memento mori” kommt aus dem Lateinischen und lautet “Bedenke, dass du sterben musst”. Es zeigt deutlich, welche Auswirkungen der Krieg auf das Todesbewusstsein der Menschen hatte.

Durch die stetige Erinnerung an den Tod wird der Blick immerzu auf diesen gerichtet. “Memento mori” ist von Vergänglichkeit und Nichtigkeit (“Vanitas”) behaftet und bildet das eher resignierende Gegenbild zum motivierenden “Carpe diem”, das dazu anhält, sein Leben zu nutzen.

Vanitas

“Vanitas” lässt sich aus dem Lateinischen mit “Eitelkeit”, “Nichtigkeit”, “Misserfolg” und “Vergänglichkeit der Welt” übersetzen. Es ähnelt dem Motiv “Memento mori” insofern, als dass es die Vergänglichkeit des Lebens betont und den Blick in Richtung Tod wendet.

Diese Sichtweise entzieht dem menschlichen Handeln seine Bedeutung und seine Wirkungsmacht. Der Blick der Christen wendet sich hin zur Transzendenz, einem besseren Leben nach dem Tod im Jenseits.

Carpe diem

“Carpe diem” bedeutet im Lateinischen “Nutze/Genieße den Tag”. Das Motiv geht auf Horaz zurück (römischer Dichter) und soll dazu anhalten, den Tag bewusst zu genießen, beziehungsweise sein vergängliches Leben zu nutzen.

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Im Gegensatz zu “Memento mori” wird eine positive Sicht auf das Leben befürwortet, die zudem auf christliche Transzendenz verzichtet. Der sichere Tod solle nicht zu schwer genommen werden, damit das Leben im Hier und Jetzt genossen werden kann.

Barock-Merkmale in der Literatur

Wir haben die zehn wichtigsten Merkmale der Barockliteratur in drei Kategorien unterteilt, da sich die literarischen Gattungen stilistisch zum Teil voneinander unterscheiden.

Im Anschluss findest du die allgemeinen Themen der Literatur, die sich in jeder Gattung finden können. Viele dieser Themen sind von Widersprüchen und durch den christlichen Glauben geprägt.

Lyrik

  1. Metrum: meist ein Alexandriner, also ein 6-hebiger Jambus mit Zäsur (Sprechpause/Einschnitt im Vers) nach der sechsten Silbe beziehungsweise nach der dritten Hebung
  2. Form: äußere Ästhetik und Wohlklang spielten eine große Rolle
  3. Rhetorische Mittel: Anaphern, Metaphern, Allegorien, Antithesen, Hyperbeln, Repetitio
  4. Stil: bildliche Darstellungen sollen die Rolle des Menschen zwischen Diesseits und Jenseits veranschaulichen, hinter Namen und Dingen gibt es oft eine verborgene Bedeutung
  5. Wichtige Werke: “Es ist alles eitel” (Sonett, 1637) von Andreas Gryphius, “Carpe diem” (Ode, 1624) von Martin Opitz, “Geh aus, mein Herz, und suche Freud” (Gedicht/Lied, 1653) von Paul Gerhardt

Prosa

  1. Sprache: weniger pathetisch als die Sprache der Lyrik, eher volkstümliche Sprache mit Witz und ironisch übertriebenen Latinismen
  2. Stil: häufig christlich geprägt; vom Vertrauen eines besseren Lebens bei Gott im Himmel
  3. Wichtige Werke: “Schelmuffsky” (1696/97) von Christian Reuter und “Der abenteuerliche Simplicissimus Teutsch” (1668) von Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen

Barockpredigt

  1. Stil: Integrieren von Bibelzitaten, Sprichwörtern, Redewendungen und Lehren antiker Werke in die Reden von Predigern
  2. Bekanntester deutscher Prediger: Abraham a Sancta Clara (1644-1709)

Themen der Literatur

  1. Diesseits (irdisches Leben) und Jenseits (Leben nach dem Tod, Transzendenz)
  2. Erotik und Askese (disziplinierte Selbstkontrolle)
  3. “Memento mori” (Bedenke den Tod) und “Carpe diem” (Nutze den Tag)
  4. Spiel und Ernst
  5. Schein und Sein
  6. Lust und Tugend

Vertreter und Werke der Barockliteratur

Wir haben drei wichtige Vertreter des Barock und typische Werke für dich zusammengestellt. Die beiden lyrischen Werke “Carpe diem” und “Es ist alles eitel” findest du vollständig in moderner Fassung. Den Roman “Der abenteuerliche Simplicissimus Teutsch” haben wir für dich zusammengefasst.

Neben den folgenden Vertretern waren ebenfalls Casper von Lohenstein, Caspar Ziegler, Friedrich Freiherr von Logau, Georg Rudolf Weckherlin, Paul Fleming, Jakob Bidermann, Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau und Angelus Silesius (Johann Scheffler) wichtige Vertreter des Barock.

Tipps für eine gelungene Romananalyse findest du hier.

Martin Opitz: “Carpe diem” (1624)

Martin Opitz (1597-1639) war ein deutscher Dichter, Theoretiker und Begründer der Schlesischen Dichterschule. Er schuf mit seinem “Buch von der Deutschen Poeterey” (1624) die erste deutsche Regelpoetik und legte somit den Grundstein für die deutsche Dichtung des Barock.

Seine Ode “Carpe diem” (1624) ist ein häufig angeführtes Beispiel für das Barock-Motiv “Carpe diem” und lässt sich sehr gut interpretieren. Sie erhielt ihren Titel erst in einem Nachdruck des 19. Jahrhunderts. Davor lautete sie “Ich empfinde fast ein Grauen”.

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Es geht um ein lyrisches Ich, das zu der Einsicht gelangt, dass es seine begrenzte Zeit auf Erden nutzen sollte. Der Fokus liegt demzufolge auf den positiven Aspekten des Lebens. Die Stimmung ist heiter, da das lyrische Ich in die Genüsse des Lebens kommt und nun weniger Wert auf alltägliche Pflichten legt.

Ich empfinde fast ein Grauen, dass ich, Plato, für und für bin gesessen über dir. Es ist Zeit hinauszuschauen und sich bei den frischen Quellen in dem Grünen zu ergehn. wo die schönen Blumen stehn und die Fischer Netze stellen!

Aufbau einer Interpretation, Tipps + Beispiel-Analyse.

Andreas Gryphius: “Es ist alles eitel” (1637)

Andreas Gryphius (1616-1664) war ein deutscher Dichter und Dramatiker. In seinen Sonetten verarbeitete er das Leiden und die Zerbrechlichkeit des menschlichen Lebens. Sein populäres Sonett “Es ist alles eitel” folgt dem “Vanitas”-Motiv und betont die Vergänglichkeit allen irdischen Lebens.

Diese wird durch die menschliche Eitelkeit hervorgerufen, die immer alles neu schaffen müsse. Die Vergänglichkeit gebe den Dingen aber auch einen höheren Wert, denn je vergänglicher und seltener sie sind, umso lieber würden sie betrachtet werden. Zum besseren Verständnis findest du im Folgenden eine modernisierte Fassung von “Es ist alles eitel”.

Du siehst, wohin du siehst, nur Eitelkeit auf Erden. Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein: Wo jetzt noch Städte stehn, wird eine Wiese sein, Auf der ein Schäferskind wird spielen mit den Herden.

Grimmelshausen: “Der abenteuerliche Simplicissimus Teutsch” (1668)

Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen (1622-1676) war ein deutscher Schriftsteller, der seinen Namen häufig in Form von Anagrammen in seine Werke integrierte. “Der abenteuerliche Simplicissimus Teutsch” war nicht nur das Hauptwerk des Autors, sondern auch der wichtigste Roman des Barockzeitalters.

Er fällt in die Unterkategorie “Schelmenroman” und gilt zudem als erster “Abenteuerroman”. Er ist 1668 unter dem Pseudonym “German Schleifheim von Sulsfort” (Anagramm für “Christoffel von Grimmelshausen”) erschienen, wurde aber auf 1669 datiert.

Der Roman skizziert den Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) sowie die zeitgenössische Gesellschaft auf eine überspitzte und satirische Art und Weise. Das Leitmotiv ist Desillusionierung. Wir haben den Roman im Folgenden kurz für dich zusammengefasst.

Zusammenfassung des Romans:

Während des Dreißigjährigen Krieges wächst der Viehhirte Simplicius auf einem Bauernhof in Spessart auf. Er besitzt keinerlei Bildung, hält den Bauernhof für die ganze Welt und weiß nicht einmal seinen eigenen Namen. Mit zehn Jahren lotst er versehentlich durch das Spiel auf seiner Sackpfeiffe (Dudelsack) eine Truppe verirrter Soldaten zum Bauernhof, die plündern, schänden, foltern und morden.

Eine Magd rät ihm zu fliehen und so irrt er tagelang durch den Wald, bis er einen Einsiedler trifft, der ihn aufnimmt und “Simplicius” (den Einfältigen) nennt. Er bringt ihm Lesen und Schreiben bei und lehrt ihn das Christentum.