Der Camping-Boom: Perfekter Zeitpunkt für die Eröffnung eines Campingplatzes

Der Camping-Boom: Perfekter Zeitpunkt für die Eröffnung eines Campingplatzes

Die Wohnmobile stauen sich entlang der spanischen Küste. Die Camping- und Stellplätze sind voll. Ein deutscher Reisemobil-Händler hat sich daher entschlossen, einen Campingplatz im Südosten Spaniens neu zu eröffnen – und der Erfolg kam schneller als erwartet.

Ein überraschend erfolgreicher Campingplatz in Águilas

Michael Thyssen, Inhaber der Dümo Reisemobile GmbH&Co KG in Dülmen, ist ein Experte auf seinem Gebiet und kannte sich bestens in der Branche aus. Umso überraschter war er, als sein neuer Campingplatz in Águilas, im Südosten von Spanien, bereits so schnell ausgebucht war. Thyssen hat mit seinem Unternehmen einen der größten Reisemobil- und Wohnwagenhändler in Europa aufgebaut und ist seit 2022 Besitzer des Dümo Camperparks in Águilas, der zuvor als “Camping Los Geraneos” bekannt war.

Thyssen hatte den Camping-Boom schon lange kommen sehen, nicht nur an der spanischen Küste. “Es war abzusehen, dass es einen massiven Umbruch geben wird, nicht nur in der Wohnmobilbranche”, erklärt er. “Man muss sich nur die Statistik anschauen. Seit 25 Jahren ist klar, dass die geburtenstarken Jahrgänge in Rente gehen werden und die Nachfrage nach Freizeitmobilen steigen wird. Allein im Jahr 1964 wurden 1,4 Millionen Kinder geboren, die nun fast 60 Jahre alt sind.” Auch der Fachkräftemangel lasse sich mit der Statistik erklären. “Das kann man alles nachlesen.”

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Zu viele Wohnmobile, zu wenig Camping- und Stellplätze

Der deutsche Caravaning Industrie Verband aus Frankfurt (CIVD) bestätigt den Camping-Boom mit Zahlen. “Reisemobile und Wohnwagen liegen nicht erst seit Corona voll im Trend, sondern werden europaweit seit vielen Jahren immer beliebter”, heißt es in einer Mitteilung des Verbands. “2020 und 2021 wurden in Deutschland pro Jahr über 100.000 Freizeitfahrzeuge neu zugelassen – dies waren historische Rekordwerte für die Branche.” Die geringeren Neuzulassungszahlen im Jahr 2022 haben einen Grund: “Die Zahlen hätten höher ausfallen können, aber wegen stockender Lieferketten und Personalmangels konnten die Hersteller weniger Fahrzeuge als geplant fertigstellen.”

Die Camping-, Stell- und Parkplätze können mit dem Boom jedoch nicht mithalten. Es gibt einfach zu wenige davon. Thyssen erzählt von einem interessanten Erlebnis auf einer Caravan Salon Messe in Düsseldorf im September 2021. Bei einem Besuch des Standes des slowenischen Reisemobilherstellers Adria, einer der Marken, die Dümo Reisemobile verkauft, fand eine Diskussionsrunde über die Zukunft der Branche statt. Es ging dabei unter anderem um die Frage: Wohin mit all den Campern? “Es wurde über Genehmigungen für Camper auf Bauernhöfen oder Weingütern diskutiert. Auch in Deutschland macht man sich langsam Gedanken. Die Verbände finden die Ideen toll, aber es passiert nichts.” Auch das Thema “Wildcampen” ist wieder aktuell.

Die Suche nach einem Campingplatz von Valencia bis Murcia

Michael Thyssen hatte schon länger die Idee, selbst einen Campingplatz zu eröffnen. “Das war immer wieder ein Gesprächsthema”, erzählt der 65-Jährige. Im Winter 2022 fuhren Thyssen und seine Frau mit ihrem Wohnmobil von der Costa Brava über die Costa Blanca bis nach Portugal. Ihr Mitarbeiter Aldo Hovenjürgen, der über Erfahrung und Kontakte zu Maklern verfügte, begleitete sie. Am Ende standen fünf Plätze zwischen Valencia und Águilas an der Küste der Region Murcia zur Auswahl.

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Águilas hatte eigentlich zwei Nachteile. Der Ort liegt von allen am südlichsten und nicht direkt am Meer. “Wenn das Wetter im Norden gut ist, fährt keiner mehr weiter in den Süden”, gibt Thyssen zu bedenken. Als Thyssen und seine Frau den Platz im Winter besuchten, waren sie die einzigen mit nur vier bis fünf Fahrzeugen. “Das lag auch an den damaligen Besitzern, ältere spanische Geschwister, die sich eigentlich zurückziehen wollten.”

Das Spezielle an Águilas und der neue Campingplatz

Trotzdem fiel die Wahl auf Águilas – aus mehreren Gründen. “Die Stadt Águilas unterscheidet sich von allen anderen, die ich bisher an der Küste gesehen habe”, schwärmt Thyssen. “Die Stadt lebt, unabhängig vom Tourismus. Als wir an einem Mittwochabend in der absoluten Nebensaison essen waren und aus dem Restaurant kamen, war auf der Straße das Leben.” Die Infrastruktur sei nicht nur auf den Tourismus ausgelegt. Ein weiterer großer Pluspunkt für Thyssen, der gerne mit seinem Rennrad unterwegs ist: “Águilas ist die einzige Stadt, die ich kenne, um die ein Radweg führt. Das ist wichtig für Camper, denn fast alle haben ein Fahrrad dabei.”

Die Tatsache, dass der Strand nicht in unmittelbarer Nähe liegt, sei zwar unbequem, aber kein wirklicher Nachteil. “Bei schlechtem Wetter können die Strände durch Erosion Schaden nehmen und Spanien unternimmt große Anstrengungen zum Küstenschutz. Wenn man vorher in die Infrastruktur investiert hat, besteht ein großes Risiko.”

Nachhaltigkeit und Zukunft des Campingplatzes

Der Dümo Camperpark beschäftigt derzeit acht Festangestellte, darunter die Managerin Christiane Schmidt. Die Deutsche lebt seit 13 Jahren mit ihrer Familie in Águilas und ist ausgebildete Hotelfachfrau. Neben Deutsch und Spanisch spricht sie auch Englisch und Französisch. “Ein Glücksfall”, sagt Thyssen.

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Als Thyssen den Platz übernahm, wurden zunächst die überwucherten Plätze und Wege von Gestrüpp befreit, die Waschhäuser renoviert, neue Wasserleitungen verlegt und der Stangenwald entfernt, an dem Plane zum Schutz vor der Sonne befestigt waren. Auf dem Dach des Hauptgebäudes, in dem sich die Bar und mehrere Säle befinden, die als Restaurant genutzt werden können, wurde eine riesige Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 78 kWp installiert. “Das reicht allerdings noch nicht zur Eigenversorgung”, erklärt Thyssen. “Abends, wenn gekocht und geheizt wird und die Lichter angehen, wird zusätzlicher Strom benötigt.”

Überzeugte Camper und optimistische Zukunft

Alle 108 Plätze waren in diesem Winter überwiegend belegt. Vor allem deutsche Camper haben schnell vom neuen Dümo Camperpark erfahren. Wenn Thyssen über den Platz geht, bleibt er alle paar Meter stehen, um mit seinen Campern zu plaudern. Er und seine Frau Anne wohnen ebenfalls auf dem Platz in einem selbst entworfenen Bürstner 644. Thyssen ist überzeugt, dass das Projekt Dümo Camperpark in Águilas langfristig erfolgreich sein wird. “Ich glaube an die Statistik”, sagt er. “Wir verkaufen jedes Jahr viele Wohnmobile und jeder Kunde erhält einen Hinweis auf diesen Platz.”

Auch der CIVD ist optimistisch für die Zukunft. Während keine konkreten Prognosen gemacht werden, steht fest, dass Reisemobile und Wohnwagen weiterhin im Trend liegen werden.