Ein Unimog als ultimatives Fernreisemobil

Unimog mit Ausbau zum Fernreisemobil

Wie kam es eigentlich dazu, dass wir uns entschlossen haben, einen Unimog als Fernreisemobil auszubauen? Ganz einfach: Unser vorheriger VW-Bus T5 California war zu klein und für unsere Ziele nicht geländetauglich genug bzw. zu teuer in der Reparatur. Aber lassen wir Jörg Gelzhäuser selbst erzählen…

1996 – Die Vorgeschichte

Bereits vor knapp 23 Jahren hatte ich ein ähnliches Gefährt: einen Mercedes Benz LA 710 Rundhauber. Ein Ex-Katastrophenschutz-Fahrzeug mit originalen 42.000 Kilometern auf dem Tacho. Diesen habe ich damals mit den finanziellen Mitteln ausgebaut, indem ich meinen schrottreifen Bulli T2 geschlachtet und den Küchenblock in den Aufbau des Unimogs eingebaut habe. Mit dem LKW habe ich erfolgreiche Reisen durch Spanien, Italien, Frankreich und Portugal unternommen und war immer auf der Suche nach einsamen und wilden Stellplätzen.

Danach folgten VW Busse, genau genommen ein T3, T4 und ein T5. Im Mai 2016 bekamen wir Zuwachs und stellten schnell fest, dass ein Quadratmeter zu dritt mit Hund bei schlechtem Wetter ein wenig nervig ist. Zudem war die Qualität des T5 nicht mehr so gut wie die unserer vorherigen Modelle und die Reparaturkosten stiegen exorbitant an.

So entstand der Wunsch nach mehr Geländetauglichkeit, einfacher Technik, Robustheit, guter und weltweiter Ersatzteilversorgung und natürlich mehr Platz. Da ich schon seit meiner Kindheit ein Unimog-Fan war, lag es nahe, einen Unimog zu kaufen und als Fernreisemobil auszubauen. Und als gelernter KFZ-Mechaniker sollte dies auch kein Problem sein.

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April 2018 – Der Kauf

Also ging die Suche nach einem geeigneten Fahrzeug los. Ich war schockiert, als ich sah, was am Markt angeboten wurde. Völlig überzogene Preise und schlachtreife Fahrzeuge, die als 1a-Zustand verkauft wurden. Schließlich fiel die Wahl auf den jetzigen Unimog, dessen Fahrerhaus bereits restauriert und das Fahrgestell in einem guten Zustand war. Das Fahrzeug verfügte außerdem bereits über ein Splitgetriebe. Also flog ich nach Berlin, probefuhr den Unimog und holte ihn dann auf eigener Achse nach Hause.

Der VW Bus T5 muss weichen und die Arbeit am Unimog-Fernreisemobil beginnt

Im Mai 2018 haben wir unseren T5 verkauft und die zweite Garage als Werkstatt umfunktioniert. Mit Regalen, Schweißgerät, Kompressor, Schleifbock, Säulenbohrmaschine und anderem Werkzeug ausgestattet, begannen wir mit dem Ausbau des Unimogs. Den Rest des Jahres nutzten wir, um das Fahrzeug technisch komplett neu aufzubauen und für den bevorstehenden Kabinenbau vorzubereiten. Tanks, Felgen und Bereifung, Auspuffanlage, Dämpfer, Fahrerhausdämmung, Hochsetzen des Fahrerhauses und vieles mehr wurden eingebaut und abgeändert.

Planung

Im Jahr 2018 stand dann der Sommerurlaub vor der Tür, fiel aber aus verschiedenen Gründen ins Wasser. Also verbrachten wir die Zeit im Garten und planten den Innenausbau sorgfältig. Wir entwarfen verschiedene Entwürfe und Zeichnungen, bis wir uns auf eine Architektur festlegten. Besonders wichtig war uns dabei, das Gewicht niedrig und den Schwerpunkt tief zu halten, aber gleichzeitig eine hohe Festigkeit zu erreichen. Nach langem Überlegen entschieden wir uns für HPL-beschichtetes Pappelsperrholz mit einer Stärke von 18mm.

Kabine und Zwischenrahmen

Im Herbst 2018 gaben wir die leere Kabine nach unseren Vorgaben in Auftrag und holten sie im Frühjahr 2019 zusammen mit dem Zwischenrahmen ab. Es wurden lediglich die von uns geplanten Stauraumklappen nebst Eingangstür mit den notwendigen Verstärkungen in den Wänden, Boden und Heck eingebaut.

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Innenausbau des Unimog

Mit einem befreundeten Schreiner sprachen wir bereits Ende 2018 über das Projekt. Nachdem er unsere Entwürfe gesehen hatte, brachte er wichtige Änderungen ein, die den Ausbau funktionell und optisch veränderten. Eine Woche nach Abholung der Kabine ging es dann endlich los. Der Schreiner besorgte das benötigte Holz und sägte die großen und kleinen Platten. Alle Möbelteile wurden mit Alu U/L-Profilen, Einnietmuttern, Polymerkleber und Gewindeschrauben befestigt.

Podest für Sitzgruppe, Bett und Stauräume

Den Unterbau für das Podest vorne und hinten fertigten wir aus 15mm 3-Schicht-Platten. Hier hätte ich im Nachhinein aus Gewichtsgründen 12mm wählen sollen. Für die Sitzgruppe nutzten wir bereits vorhandene Wassertanks. Auch hier bekamen wir einen wichtigen Impuls vom Schreiner: Wie würden wir eigentlich die Tanks ausbauen, wenn sie defekt wären? Daraufhin änderten wir sofort unseren Plan.

Heckbett samt Schubladen, Heckstauraum und Gaskasten

Ursprünglich hatten wir verschiedene Lösungen für das Heckbett überlegt, z.B. ein Hubbett oder ein Bett zum Ausziehen über der Küche. Letztendlich entschieden wir uns jedoch für ein festes Bett, da wir den Stauraum im Heck nutzen wollten und die Kosten für ein Hubbett zu hoch waren. Außerdem wollten wir nicht ständig umräumen, um ins Bett zu gehen.

Elektrik und Wasserversorgung

Parallel zum Möbelbau begannen wir mit der Planung der Elektrik und Wasserversorgung. Hier fiel die Wahl auf Victron, da es unserer Meinung nach die beste Komplettlösung darstellte. Bei der Elektrik bekamen wir Hilfe von einem befreundeten Elektrotechniker, der uns bei der Planung unterstützte. Die Wasserinstallation war im Vergleich zur Elektrik relativ einfach. Wir entschieden uns für eine Wasserfilteranlage, da wir einen größeren Wassertank hatten und die Entkeimung mit Silber und Chlor zu aufwendig war.

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Küche(n)

Die Innenküche wurde aus Platzgründen recht klein, da wir unbedingt ein spezielles Kochfeld aus Glas einbauen wollten. Die Außenküche entschieden wir uns für Can-Produkte aus dem Yachtbereich. Beide Küchen wurden auf Schwerlastauszügen eingebaut.

Wellness-Bereich nebst Kleiderschrank

Wir wollten unbedingt eine Trocken-Toilette haben und entschieden uns für das Modell Nature’s Head. Ursprünglich geplant war auch eine Dusche, aber aus Zeitgründen haben wir uns dagegen entschieden. Der Kleiderschrank wurde aufgrund des begrenzten Platzes für unseren Wellness-Bereich kleiner als geplant.

Fenstereinbau

Der Fenstereinbau und das Aussägen des Ausschnitts waren eine große Herausforderung. Bei der Wahl der Fenster entschieden wir uns für Versenk-Rahmen, um die Fenster vor Kratzern zu schützen und eine ansprechendere Optik zu erreichen.

Fußboden

Als Fußboden bauten wir einen massiven, geölten Ahorn-Stabfußboden ein. So bleibt der GFK-Boden sauberer und die Reinigung ist einfacher.

Unterflur-Heckstaukästen

Da wir am Markt keine passenden Staukästen fanden, entschieden wir uns für individuell angefertigte Staukästen aus Aluminium. Diese dienen als Außenküche und zum Ersatzteil-Transport.

Einstiegsmöglichkeit

Aufgrund unserer kleinen Tochter und unserem Vierbeiner entschieden wir uns für eine Scherentreppe, die im unebenen Gelände sehr stabil ist.

Erster Testurlaub

Im September 2019 planten wir einen Testurlaub über die kroatischen Inseln Pag, Dugi Otok und Losinj/Cres. Dabei konnten wir wunderschöne wilde Stellplätze finden und nette Leute kennenlernen.

Fazit

Alles in allem hat uns der Ausbau unseres Unimogs als Fernreisemobil mehr als 2.500 Arbeitsstunden gekostet. Aber der Aufwand hat sich gelohnt. Unser Unimog läuft zuverlässig und wir haben keine nennenswerten Probleme. Es ist einfach ein geniales Fahrzeug.

Fotos: Jörg Gelzhäuser