Tipps für einen unvergesslichen Urlaub in Flevoland

Niederlande: Tipps für einen Urlaub in Flevoland

Habt ihr schon von Flevoland gehört? Diese brandneue Provinz der Niederlande entstand durch ein faszinierendes Eindeichungsprojekt und liegt nur etwa 30 Kilometer von Amsterdam entfernt. Flevoland beeindruckt mit seiner Lage am Ijsselmeer und einer beeindruckenden Natur. Hier wird auch die grünste Stadt der Niederlande entstehen – ein aufregendes Projekt, das ich bei meinem Besuch aus der Nähe betrachten konnte. Aber bevor ich euch davon erzähle, gibt es ein weiteres Highlight: die Floriade Expo 2022 in Almere. Das Motto lautet “Growing Green Cities” und Aussteller aus der ganzen Welt zeigen ihre visionären Konzepte für grüne Städte der Zukunft. Ein absolutes Muss! Außerdem bietet Flevoland zahlreiche außergewöhnliche Übernachtungsmöglichkeiten – von Baumhäusern über Zirkus- und Bauwagen bis hin zu Schiffscontainern. Wer sich für grüne Zukunftsvisionen, großartige Restaurants oder ein Mikroabenteuer interessiert, ist hier genau richtig. Hier sind meine Ausflugs- und Übernachtungstipps für einen unvergesslichen Urlaub in Flevoland.

Flevoland – das größte vom Menschen geschaffene Land der Welt

Die Niederländer haben eine besondere Beziehung zum Wasser: Über 40 Prozent ihres Landes liegen unterhalb des Meeresspiegels. Der Schutz vor Überschwemmungen durch Deiche und Dämme ist unerlässlich. Im Jahr 1953 gab es eine Sturmflut, bei der 1.835 Menschen starben. Dank technischer Wunderwerke wie den Deltawerken konnten weitere Flutkatastrophen abgewendet werden. Doch der Kampf gegen das Wasser ist noch lange nicht vorbei: Aufgrund des Klimawandels wird der Meeresspiegel um weitere zwei Meter steigen, außerdem erwarten Wissenschaftler, dass es häufiger und stärker regnen wird, was zu häufigeren Überschwemmungen führen kann.

Immer wieder versuchen die Niederländer, neue Gebiete zu gewinnen. Ein faszinierendes Projekt ist Flevoland: Die drei Polder dieser Provinz sind das größte vom Menschen geschaffene Land der Welt. Es ist faszinierend zu sehen, wie diese künstlich geplanten Gebiete zu wilden Naturlandschaften werden, die vielen Vögeln, Fischen und anderen Tieren ein Zuhause bieten.

Meine acht Ausflugs- und Urlaubstipps für Flevoland

Tipp 1: Floriade Expo 2022 – die grüne Stadt der Zukunft

Im Jahr 2050 wird es etwa 10 Milliarden Menschen auf der Erde geben, und fast 70 Prozent von ihnen werden in Städten leben. Das bringt enorme Herausforderungen mit sich, wie den Klimawandel, die globale Erwärmung, die Lebensqualität, das Wassermanagement, die Nahrungsmittelversorgung und den Rohstoffmangel. Auf der Floriade Expo 2022 in Almere präsentieren Aussteller aus der ganzen Welt ihre Konzepte für grüne Städte der Zukunft. Das Motto lautet “Growing Green Cities”. Hier könnt ihr bis zum 9. Oktober 2022 innovative Konzepte entdecken, Bio-Lebensmittel in Gärten und Gewächshäusern selbst ernten und natürlich jede Menge Grün und blühende Blumen bewundern.

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Tipp 2: Citytrip Almere & Radtour nach Oosterwold

Almere ist der Gastgeber der Floriade Expo 2022. Diese junge Stadt mit über 218.000 Einwohnern begeistert vor allem Fans moderner Architektur. Sie wird stolz als Freilicht-Architekturmuseum bezeichnet. Aber auch tolle Restaurants gibt es hier zu entdecken. Besonders das The Black Cockatoo hat es mir angetan: In diesem kleinen und feinen Lunch-Restaurant könnt ihr köstliche vegane Gerichte genießen, die nicht nur lecker sind, sondern auch optisch überzeugen. Wenn ihr Lust auf eine interessante Stadtführung habt, könnt ihr diese bei Stadtführer Paul Meekel über die Tourist Information in Almere buchen. Er spricht Deutsch, Niederländisch und Englisch.

Wenn ihr wie ich kleine und süße Gebäude liebt, solltet ihr eine Radtour in den ökologischen Stadtteil Oosterwold unternehmen, der sich in der Nähe von Almere befindet. Hier könnt ihr relativ günstig ein Stück Land kaufen und nach euren eigenen Wünschen gestalten. Die einzige Voraussetzung ist die funktionale Aufteilung des Grundstücks: Zum Beispiel darf nur 18 Prozent bebaut werden, während 59 Prozent dem Urban Gardening gewidmet sein müssen. Außerdem sind die Bewohner selbst für Straßenbau, Energieerzeugung, Abwasserbehandlung und Müllentsorgung verantwortlich. Es gibt also viel zu tun. Mir haben besonders die vielen Holzhäuser im skandinavischen Stil in Oosterwold gefallen. Es fühlte sich an, als wäre ich nach Schweden geradelt.

Tipp 3: Ungewöhnlich übernachten in Flevoland: Netl de wildste Tuin

Wenn ihr fantasievoll dekorierte Festivalgelände wie bei Fusion oder Tomorrowland mögt, seid ihr auf dem Campingplatz Netl de wildste Tuin in Kraggenburg genau richtig. Schon bei der Ankunft werdet ihr das Gefühl haben, eine Parallelwelt zu betreten. Es gibt dort merkwürdig aussehende Gebäude, von Künstlern gestaltete Installationen und Relikte vergangener Zeiten, wie zum Beispiel eine echte russische MIG, die ein Symbol für Abrüstung und Frieden ist. Auf dem Gelände findet jedes Jahr im Juli das Wildeburg Festival statt. Außerhalb dieser Veranstaltungen dient der Ort als großer Abenteuerspielplatz für die ganze Familie und als Campingplatz mit außergewöhnlichen Übernachtungsmöglichkeiten wie Bauwagen, Schiffscontainern und Safarizelten.

Es gibt dort einen Strand mit Dünen, wo man morgens wunderbar Yoga machen kann, einen Matschplatz, einen Bambuswald und vieles mehr. Wir haben in einem umgebauten Bauwagen übernachtet, der sehr gemütlich war. Er befand sich auf dem Naturzeltplatz namens “de Mig” direkt am Kanal. Alternativ könnt ihr in umgebauten Schiffscontainern übernachten.

Das Gelände ist so groß wie 90 Fußballfelder und wird regelmäßig für Hochzeiten, Fotoshootings und Partys genutzt – immer im Einklang mit der Natur. Nachts könnt ihr die Frösche quaken hören. Zu meiner großen Freude habe ich beim morgendlichen Yin Yoga sogar eine anschmiegsame Katze namens Micky getroffen, die gerne über das Gelände streift.

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Dieser riesige “Abenteuerspielplatz” wurde übrigens von Bob Crébas geschaffen, einem Unternehmer, der 2004 durch den Verkauf der niederländischen eBay-Version Maarktplaats.nl zum Millionär wurde.

Tipp 4: Besuch beim UNESCO-Weltkulturerbe Schokland

Früher war Schokland eine Insel mitten in der stürmischen Zuiderzee. Hunderte von Menschen lebten hier, vor allem Bauern, Fischer und Seeleute. Schokland diente als Schutz für das Festland und war ein Zufluchtsort für Seeleute während Stürmen. Doch das wilde Meer wurde immer bedrohlicher, große Teile von Schokland wurden überschwemmt und verschwanden. Die Bewohner mussten sich auf die Siedlungshügel auf der Ostseite der Insel zurückziehen. Schokland wurde immer kleiner und verarmte. Trotz der ständigen Bedrohung durch das Wasser und der Armut wohnten immer wieder Menschen auf der Insel, von der Urzeit über das Mittelalter bis heute. Als 1942 der Nordostpolder trockengelegt wurde, hörte Schokland auf, eine Insel zu sein. Doch viele Zeitzeugen sind glücklicherweise erhalten geblieben. Wenn ihr Schokland besucht, werdet ihr auf eine außergewöhnliche Kombination aus Archäologie, Kulturgeschichte und Natur treffen. Es gibt zum Beispiel eine historische Kirche aus dem Jahr 1834 und ein hübsches Museum, in dem ihr den Spuren einer 10.000 Jahre alten menschlichen Besiedlung folgen könnt. Mir hat Schokland auch architektonisch gut gefallen. Es ist ein sehenswerter Ort, der symbolisch für das Leben der Niederländer mit dem Wasser steht.

Tipp 5: Ausflug auf die einsame Naturinsel Haveneiland, Marker Wadden

Marker Wadden ist ein Archipel von fünf Inseln im Markermeer und ein ganz besonderes Naturparadies der Zukunft. Die Niederlande nutzen Marker Wadden als lebendiges Labor, um zu testen, wie die Anlage von Naturinseln erfolgreich umgesetzt werden kann. Auf den mit Schlamm aufgeschütteten Inseln wurde ein einzigartiger Lebensraum für Vögel, Fische und Wasserpflanzen geschaffen. Nur eine der Inseln – Haveneiland – ist für Besucher zugänglich. Dort gibt es vier moderne Ferienhäuser, die man mieten kann. Diese sind nicht nur energieneutral, sondern wurden auch nachhaltig gebaut und im skandinavischen Stil eingerichtet. Es gibt keinen Fernseher in diesen Häusern, denn nichts soll von der Natur ablenken. Lasst euch ein Fernglas nicht entgehen, denn mit etwas Glück könnt ihr Flussseeschwalben, Löffler, Austernfischer und andere Vögel beobachten. Haveneiland ist mit einer Fähre von Lelystad aus erreichbar. Wenn ihr ein eigenes Boot habt, könnt ihr auch damit kommen, aber ihr müsst euch vorher anmelden, da die Anlegestellen begrenzt sind. Es gibt auch Charterboote, die Tagestouren von verschiedenen Häfen wie Hoorn, Enkhuizen oder Lelystad aus anbieten. Die Insel ist auch ideal für diejenigen, die einfach nur einen ruhigen Ort suchen, da sie unbewohnt ist. Ihr müsst sie also nur mit ein paar Tagesbesuchern, Biologen und Naturliebhabern teilen.

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Tipp 6: Buytenplaets Suydersee in Lelystad – Übernachten im Baumhaus

Ich liebe Bäume und natürlich auch Baumhäuser. Deshalb war ich begeistert, als ich hörte, dass man in Flevoland die Möglichkeit hat, in einem Baumhaus zu übernachten. Buytenplaets Suydersee in Lelystad ist ein Eldorado für alle, die ungewöhnliche Übernachtungsmöglichkeiten lieben. Neben Baumhäusern kann man auch umgebaute Zirkus- und Bauwagen buchen.

Unser Baumhaus war gemütlich eingerichtet. Vom Bett aus hatten wir einen herrlichen Blick auf das Grün durch die etwa vier Meter breite Fensterfront. In der Mitte des Baumhauses befand sich eine dicke Eiche, um die das Baumhaus gebaut wurde. So hatten wir das Gefühl, im Wald zu schlafen – einfach wunderschön! Am Morgen konnten wir auf der liebevoll eingerichteten Terrasse des Baumhauses frühstücken. Brötchen, Eier, Säfte, Marmelade, Aufschnitt usw. wurden uns vom Campingplatzleiter in einem Körbchen gebracht – ein toller Service!

Besonders schön war die Atmosphäre in der Dunkelheit. In der Ferne saß ein Paar am Lagerfeuer. Hier und da waren Zelte, Tiny Houses und Zirkuswagen beleuchtet. Eine Nacht im Baumhaus solltet ihr euch auf keinen Fall entgehen lassen!

Tipp 7: “Safari” durch das Naturschutzgebiet Oostvaardersplassen

Die Oostvaardersplassen sind ein Sumpfgebiet zwischen Lelystad und Almere. Es ist das größte von Menschenhand geschaffene Naturschutzgebiet der Welt. Naturbegeisterte werden hier voll auf ihre Kosten kommen und Konikpferde, Rothirsche, Füchse und zahlreiche Wildvögel beobachten können. Ich empfehle euch, an einer begleiteten “Safari” mit einem Förster durch die wunderschöne Landschaft des Naturschutzgebiets teilzunehmen. Der Förster kann euch viele spannende Details über Flora und Fauna erzählen, und gemeinsam sieht man einfach mehr. Vergesst nicht, ein Fernglas mitzunehmen – mit etwas Glück könnt ihr sogar einen Seeadler entdecken. Auf unserer etwa zweistündigen Safari haben wir etwa 600 Hirsche und Heckrinder, Seeadler, Silberreiher, Brandgänse und einen Löffler gesehen. Einige von ihnen gehören zu den “Big Five”, die man in Almere sehen kann (Rothirsch, Konikpferd, Heckrind, Fuchs, Seeadler).

Tipp 8: Spaziergang im Waterloopbos

Technikinteressierte sollten sich einen Besuch im Waterloopbos nicht entgehen lassen. Dies ist ein Testgelände für Wasserwerke aus den 1950er und 1960er Jahren. Auf den ersten Blick mag dies nicht besonders spannend klingen, aber es ändert sich mit dem Hintergrundwissen: Früher gab es keine Möglichkeit, mithilfe von Computern zu berechnen, welche Kräfte auf große Wasserbauten einwirken. Daher musste alles anhand maßstabsgetreuer Modelle getestet werden. Im Waterloopbos könnt ihr 35 solcher Wasserwerksmodelle bewundern, darunter Häfen von Bangkok, Rotterdam oder Lagos sowie die Deltawerke. Letztere sind ein technisches Wunderwerk und das größte Sturmflutwehr der Welt. Der Ort ist auch sehenswert, weil die Natur langsam ihr Territorium zurückerobert: Viele der Modelle sind von Pflanzen überwuchert, was eine märchenhafte Atmosphäre schafft. Wenn ihr genug Zeit mitbringt, könnt ihr mit etwas Glück glitzernde Eisvögel und Libellen entdecken.

Habt ihr eine Vorliebe für moderne Kunst? Dann ist Landart Flevoland vielleicht etwas für euch. Bei dieser Tour könnt ihr zahlreiche Kunstwerke in der Landschaft Flevolands entdecken.

Das waren meine Tipps für einen unvergesslichen Urlaub in Flevoland. Wenn ihr noch mehr Informationen benötigt, empfehle ich euch den Reiseführer “Lonely Planet Niederlande”. Dort findet ihr über 500 Tipps für Hotels, Restaurants, Touren und die Natur.

Bildnachweis: Lukas Holzmeier, Rebecca Schirge